Abenteuer Wacken Open Air 2012–Teil 2

Wie versprochen, gibt es heute den zweiten Teil meines Reiseberichts zum größten Heavy Metal Festival der Welt.

Samstag, 04.08.2012

Auch der letzte offizielle Festivaltag beginnt wieder, wie sollte es auch anders sein, mit einem köstlichen Frühstück und natürlich frischem Kaffee vor dem Zelt. Leider meint es der Wettergott (wer auch immer das für Euch ist) nicht besonders gut mit uns. Es regnet. Nicht nur ein Schauer, sondern Dauerregen. Ganz sooo tragisch ist das allerdings nicht, denn nachdem wir am gestrigen Freitagabend doch ganz schön kaputt waren, haben wir unsere ersten beiden Programmpunkte, Delain und GammaRay, restlos gestrichen und lassen den Tag erstmal gaaanz ruhig angehen.

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Gegen Mittag hatte der oben genannten Herr Wettergott ein Einsehen und lies die Sonne scheinen. Es war also an der Zeit, das Camp zu verlassen und noch eine kleine Runde zu drehen. Unsere Mägen meldeten sich nämlich auch schon bald wieder und verlangten nach einem Mittagessen. Um ihnen einen Gefallen zu tun, besorgten wir uns zwei Barbarenspieße und verschwanden wieder unterm Pavillon. Am Nachmittag begann dann auch schon mein letzter Festivaltag. Die Gräfin ruhte sich noch etwas am Zelt aus und wir verabredeten uns für später im Infield. Die beiden Bands, die anstanden, wollte die Gräfin nämlich nicht unbedingt sehen, also bin ich kurzer Hand alleine losgezogen. Leider war ich mal wieder etwas spät dran, weshalb ich den ersten Song nur von der Sicherheitskontrolle am Einlass zur Party Stage mitbekam. Dafür verbrachte ich den Rest des Konzerts in der zweiten Reihe vor der Bühne. Wer da spielte? Ach, dass sollte ich vielleicht auch noch erwähnen. Es stand ehrlicher New York Hardcore an. Sick Of It All legten eine großartige Show hin. Allerdings hätte ich einen wesentlichen größeren Moshpit erwartet, wie es sich eben für ein würdiges Hardcore-Publikum gehört. Das hielt sich allerdings etwas in Grenzen. Nur ein paar Leute waren im Pit aktiv. Ob es vielleicht am Schlammsee vor der Party Stage lag?

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Nach einer kurzen Pause und einem Besuch beim Captain Morgan Stand ging mein Infield-Marathon auch schon weiter. Testament, eine DER Thrash-Metal Bands aus den USA standen auf der True Metal Stage. Leider muss ich sagen, dass das die schwächste aller von mir gesehenen Shows des Festivals war. Mehr oder weniger lustlos spielten die Herren ihr Set herunter. Einzig Sänger Chuck Billy war ständig auf der Bühne unterwegs und schien Spaß zu haben. Leider drückten massive Soundprobleme, übrigens die einzigen, die mir auf dem ganzen Festival aufgefallen sind, etwas auf die Stimmung. Der Gesang war viel zu leise und der Bass war viiiel zu laut. Und das sage ich als Bassist! Uns kann der Bass ja normalerweise nicht laut genug sein. Zwinkerndes Smiley

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Nach der Show traf ich die Gräfin wieder und es gab erstmal wieder einen kleinen Imbiss. Wir verließen aber vorerst recht fluchtartig das Infield, denn auf der Black Stage stand schon wieder eine Band mit offenbar ganz schlechter Kindheit. Cradle Of Filth kreischten was das Zeug hielt. Muss ich nicht haben.

Gegen 19:30 Uhr waren wir allerdings auch schon wieder im Infield zu finden. Auf der True Metal Stage ging es langsam mit den Headlinern los. Zum Leitwesen der Gräfin (nicht so ihr Ding) ballerten Amon Amarth, eine Death Metal Band aus Schweden (woher auch sonst?) eine großartige Show mit allerhand Pyrotechnik den Massen vor den Stages entgegen. Bei Texten aus der skandinavischen Mythologie war es selbstverständlich, dass Johan Hegg, der “Sänger” regelmäßig einen großen Schluck aus seinem Trinkhorn nahm. Während der Show forderte er das Publikum auf, mitzusingen: “Den nächsten Song singt Ihr jetzt alle mit! Egal, ob Ihr den Text kennt oder nicht! Das ist Death-Metal! Das merkt eh niemand!” Ein Highlight der Show war der Song “Twilight of the Thundergods”. Hegg kam mit Thors Hammer auf die Bühne und schlug während des Intros auf einen Amboss, der ein Feuerwerk entfachte! Leider ist das bei der zdf.kultur Aufzeichnung nicht ganz so gut zu erkennen.

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Für die vorletzte Band unserer persönlichen Running Order hatten wir uns schon während Amon Amarth günstig vor der Black Stage in Stellung gebracht. Warum einige, der sooo “truen” Metalheads bei der kommenden Band nur die Nase rümpfen, ist mir allerding schleierhaft. Songs wie “The Zoo”, “Blackout” oder “Rock you like a Hurricane” gehören eben einfach  Geschichte des Metal dazu. Genauso, wie die Band, die sieu spielt. Nur weil eine Band einen, sagen wir mal, Nicht-True-Metal-Hit wie “Wind of Change” hatte und damit erheblichen kommerziellen Erfolg hat, ist sie doch immer noch eine Metal Band. Dann sollten diese Leute bitte auch die Finger von Metallica, Manowar, Motörhead und AC/DC lassen… Aber ich schweife ab. Wie sich der geneigte Leser schon gedacht haben mag, stehen hier gleich die Scorpions auf der Black Stage. Zur Show kann man eigentlich nicht mehr viel hinzufügen. Musikalisch großartig, Sound großartig und Lightshow großartig. Die Jungs könnens auch nach rund 40 Jahren noch immer! Einen Kritikpunkt gibt es dennoch. Wir wissen nicht, ob es technische Probleme waren oder einfach divahaftes Verhalten, aber die Herren ließen sich geschlagene zehn Minuten Zeit, eh sie sich auf der Bühne blicken ließen. Der kleine, aber kräftige Regenschauer während der Show tat der Stimmung übrigens keinen Abbruch.

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Nach ordentlich Feuerwerk stand ohne größere Unterbrechung auch schon Machine Head als Headliner auf der True Metal Stage. Die Jungs stehen nicht ohne Grund ganz oben auf dem Festivalshirt. Großartige Show, auch wenn sie nicht ganz an die Freitagsshow von In Flames herankommt. Frontmann Rob Flynn sah man die Spielfreude auf der Bühne förmlich an, während er und seine Mannen einen Querschnitt aller Alben darboten. Songs wie “Olde”, “Imperium” und natürlich “Devadian” fehlten eben so wenig wie der Opener “I am Hell (Sonata in C#)” vom aktuellen Album “Unto the Locust”. Ein würdiger Headliner.

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Anschließend kamen auf der Black Stage zwar noch Ministry und der Surprise Act Edguy auf der True Metal Stage zum Zuge, die beiden schenkten wir uns aber zugunsten eines letzten Handbrotes im Wackinger Village. Es war schließlich auch schon wieder kurz vor 1. Wieder zurück fanden wir unseren Pavillon umgedreht neben dem Zelt liegend wieder. Damit war sein Ende besiegelt. Da wir ein Modell gekauft hatten, was sich genau einmal zusammenfalten ließ, taten wir dies auch. Pavillonorigami macht übrigens Spaß. Zwinkerndes Smiley Da unsere Nachbarn, nach eigenen Angaben, etwas schief von ihrem Grill angeguckt worden sind, bekam dieser auch gleich sein Fett weg. Was fällt dem ein?! Hat er jetzt davon…

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Nach ein paar letzten kalten Getränken vor dem Zelt mit den besten Nachbarn des gesamten Festivals gings dann auch mal wieder, nach einem langen Tag im Infield, in die Heia .

Sonntag, 05.08.2012

Abreisetag. Leider. Der Tag begann mit… Nein! Diesmal nicht mit selbstgemachtem Frühstück! Wir besorgten uns von einem der Bäckerstände einen Kaffee, belegte Brötchen und seeehr leckere Croissants. Während wir unseren Kram packten und das Zelt auseinanderbauten, beobachteten wir mit einer gewissen Freude, wie sich alle Autos um uns herum nur mit Hilfe von Treckern fortbewegen konnten oder schlicht und einfach im Schlamm und Matsch auf den Wegen stecken blieben. Selbst die (angeblich) geländegängigen VW Touareg und BMW X5 mussten geschleppt werden. Wir halten den Fahrzeugen aber mal zu Gute, dass es eher an der fehlenden Geländepraxis der Fahrer gelegene haben mag. Jaja, aber Hauptsache SUV fahren…Zwinkerndes Smiley  Wir behielten dabei aber auch immer Hinterkopf, dass unser Auto ja auf dem Campground F auf einem Hügel stand. Einziger Haken dabei: Unser gesamter Kram, zumindest der Teil, den wir wieder mitnahmen, musste über zwei Campgrounds zum Auto geschleppt werden. Was da blieb? Gummistiefel, Pavillon, Campingtisch, Müll und der Karton vom Pavillon. Achja! Man hatte uns beklaut! Ein Campingstuhl war weg! Möge derjenige damit zusammenbrechen!

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Erwartungsgemäß kamen wir ohne Schlammproblematik super vom Campground los und mussten lediglich 20 m Schlammweg überwinden. Das klappte problemlos. Die örtliche Polizei übernahm die Verkehrsleitung zur Autobahn. Wir wurden zwar erst ein bisschen von der A23 weggeführt, aber um die Strecken zu entlasten und nicht schon vor der Autobahn stundenlang im Stau zu stehen, war das ein sinnvoller Weg und hat gut funktioniert. Bei der Mittagspause bei Burger King am Autohof Tornesch hatte man das Gefühl, die gesamten Festivalbesucher wären einfach geschlossen von Wacken nach Tornesch übergesiedelt. Leider mussten wir auch hier wieder feststellen, dass sich unsere Theorie zum Burger King Personal überall bestätigt. Da war nicht viel Licht am Fahrrad…

Nachdem wir nach fünf Stunden endlich den Elbtunnel und nach weiteren knapp vier Stunden den Rest der Strecke geschafft hatten, waren wir gegen 21:00 Uhr wieder in Osnabrück. Abschließend bleibt nur zu sagen, dass unser allererstes Festival sehr viel Spaß gemacht hat. Wir haben nur nette Leute getroffen, die einfach nur eine große Metal-Party feiern wollten. Keine aggressiven Pöbeleien oder sonst irgendwie negatives Verhalten. Wir sind einfach nur begeistert von den Leuten, die uns dort begegnet sind. Jeder hatte sichtlich Spaß! Tickets für das W:O:A 2013 werden in den nächsten Wochen gekauft. Die ersten Bestätigungen sind auch schon bekanntgegeben worden: Deep Purple (ja, die mit “Smoke on the Water”), Nightwish, Sabaton, Arch Enemy und weitere…

See you in Wacken 2013 – Rain or shine!

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