Ordnung muss sein…

…heißt es immer wieder in Deutschland. Wir Deutschen lieben doch unsere Regeln, Verordnungen, Richtlinien und Gesetze. Denn alles, was in unserem Land nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist nämlich tierisch verboten! Wir lieben es alles genau zu organisieren und zu ordnen, wir gründen sofort einen Verband für jeden noch so kleinen Furz. Herrlich, diese Ordnung…aber wehe, es wird gegen die Ordnung verstoßen. Was in der Kleingartenkolonie dem Landesverrat gleich ist, führt auch in der richtigen Welt oft zu Konsequenzen. Oft wird sofort zu tiefgreifenden Maßnahmen gegriffen. Wie auch bei uns an der Universitätsbibliothek der TU Braunschweig.

Aber erst die Vorgeschichte. Wie in jedem Semester werden in der vorlesungsfreien Zeit an unserer TU die meisten, bzw. in den Ingenieurwisschenschaften alle Klausuren geschrieben. Meine nächste Klausur wird Hydromechanik sein und ich wollte, wie an jedem Tag, wenn ich nicht arbeiten gehe, in die Bibliothek (den Lernknast) einziehen, um dort in Ruhe zu lernen. Ich traf mich also heute Mittag mit einigen Kommilitonen in der Mensa zum Mittagessen und Socializing, als ich bereits Gerüchte über ominöse Parkuhren in der Bibliothek hörte. Ich war gespannt, was es wohl damit auf sich hat und bin den Anderen in den Lernknast gefolgt. Dort angekommen, lieh ich mir wie üblich einen Schlüssel für einen Spint und einen Korb zum Transport meines ganzen Kleinkrams. Im Fahrstahl traute ich meinen Augen nicht.

An der Wand der Kabine hing ein Plakat im Design einer handelsüblichen Parkscheibe, dass an meine Fairness appelieren wollte. Ich war gespannt, wie das wohl ablaufen sollte.

Als ich dann meinen Platz, den mir eine freundliche Kommilitonin freigehalten hatte, einnahm, lag dort bereits eine dieser hübschen neuen Pausenscheiben. Auf dem Tisch lag auch ein blauer Zettel mit einer kleinen Einweisung, die ebenfalls auf der Website der Universitätsbibliothek zu lesen ist.

 

 

„Um Ihnen trotz Klausur bedingten Platzmangels das Arbeiten in der UB zu ermöglichen, führen wir auf Ihren Wunsch die Pausenscheiben ein.
In den am meisten frequentierten Zeiten holen Sie sich bitte in der Zeit von 9 bis 19 Uhr beim Verlassen des Arbeitsplatzes im eigenen Interesse am Auskunftsplatz des jeweiligen Lesesaals (im Tünzelsaal an der Information) eine Pausenscheibe. Stellen Sie die Zeit ein, zu der Sie den Arbeitsplatz verlassen.
Tische ohne oder mit abgelaufener Pausenscheibe können unverzüglich abgeräumt werden, damit andere Nutzer den Arbeitsplatz einnehmen können. Seien Sie fair! Profitieren Sie von der Fairness anderer!“

Hier auch mal ein Bild, dieses in Braunschweig neu eingeführten, typisch deutschen Ordnungssystems.

Was soll man jetzt als Student davon halten? Natürlich ist es in der Bibliothek, vor allem in der Klausurenphase, extrem voll, aber ich stehe diesem System eher skeptisch gegenüber. Zum Einen sind 45 min für eine durchschnittliche Lern-Mittagspause doch recht kurz bemessen. Man muss zur Mensa (nicht wirklich weit. OK), sich dort in die, zum Teil langen Schlangen stellen, Essen, sich mit anderen Kommilitonen austauschen und der obligatorische Kaffee nach dem Essen darf dabei nicht fehlen! Zum Anderen finde ich es nicht gut, wenn fremde Leute meine Sachen wegräumen. Zum Teil ist man nur mal kurz auf der Toilette oder sucht ein Buch aus den Regalen und dann könnte, wenn ich keine Parkscheibe liegen habe, bzw. gestellt habe, jemand einfach meinen Platz einnehmen und die Sachen wegräumen. Dies ist meiner Meinung nach besonders problematisch, wenn dort auch ein Laptop auf dem Tisch steht. Ein dritter Punkt, der auch zu bedenken ist, sind die vereinzelt vorkommenden (selten, doch es gibt sie) Menschen mit bösen Absichten. Es könnte zum Beispiel jemand meine Pausenscheibe weglegen, umstellen oder schlichtweg nicht beachten und dann bin ich später in der Beweispflicht.

Wenn ich schon mal dabei bin, kann ich auch ein anderes Problem der UB offen legen. Die unterschiedlichen Mitarbeiter in der UB mit ihren unterschiedlichen Kontrollmethoden lassen sich jedesmal wieder neu entdecken. Manch einer führt die Kontrollen am Eingang gar nicht bis kaum aus, ein anderer ist geradezu übereifrig in der Ausübung seiner Pflichten. So kommt es zum Teil vor, dass man am Eingang mit seiner Thermoskanne oder seinem (DICHTEN!!!!) Tumbler mit Kaffee abgewiesen wird. Wenn man dann allerdings wieder andere dort mit normalen Wegwerfpappbechern sitzen sieht, kommt man schon ins Grübeln. Und, nein! Man kann in der UB keinen Kaffee erwerben. Zu dem Verbot von Süßigkeiten in den Lesesälen kann man auch geteilter Meinung sein. Ich kann nachvollziehen, dass Schokolade dem Erhalt der Bücher nicht gerade zuträglich ist. Jedoch gibt es auch klecker-, kleb- und krümelfreien Süßkram, der allerdings auch verboten ist! Jetzt wird der eine oder andere von Euch wieder sagen: „Klar! Der Moppel will immer seinen Süßkram haben…“ Aber jeder von Euch kennt das doch von der eigenen Lernerei. Zwischendurch hätte man gerne mal ein bisschen Nervennahrung. 😉

Übrigens gibt es diese Scheiben auch an anderen deutschen Hochschulen. Allerdings wäre für eine Technische Universität doch technische Variante wesentlich interessanter. Ein Kommentar bei facebook auf meinen Beitrag zu dem Thema lautete: „Von einer TU hätte ich mehr erwartet. Klappstühle mit Münzeinwurf. Wenn die Zeit abgelaufen ist, klappt die Sitzfläche weg.“ Auch die Nutzung sozialer Netzwerke wie zum Beispiel eine Zeiterfassung, gekoppelt mit Diensten wie foursquare oder facebook places wäre denkbar. 😉

Was meint Ihr dazu? Sind die Pausenscheiben Fluch oder Segen? Teilt mir Eure Meinung gern mittels Kommentarfunktion mit.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s